Home Blog erstellt am: : 15/01/08 Zuletzt aktualisiert : 21/01/08 10:00 / 4 veröffentlichte Einträge

Ein Experiment aus vergangener Zeit (1993 bis 1995)  Verfasst: Sonntag, den 20. Januar 2008 20:15

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Seit dem es verschlüsseltes Pay-TV (Bezahlfernsehen) gibt, gibt es auch Menschen die sich damit beschäftigen es auf Umwegen, sprich ohne ein Abo des Besitzers erstanden zu haben, zu empfangen und auch zu schauen.


Als ich im Jahre 1991 meine erste Satellitenantenne, für vier Teilnehmer, installierte und auf den Satteliten ASTRA ausrichtete, wusste ich noch nichts vom Empfang verschlüsselter Fernsehprogramme.
Im Gegenteil, das schauen von Programmen via Sattelitenreceiver war ein grandioser Erfolg für mich, denn vor dieser „Unabhängigkeitserklärung“ und dem alternativen Kabelfernsehen gegenüber, welches nicht in meiner Straße verlegt war, gab es nur eine handvoll analoger terrestrischer Sender mit einer Dachantenne zu gucken. Wer denkt da schon an den Empfang von Pay-TV, wenn Sender wie VOX, Pro7 und MTV plötzlich alltäglich werden?
Es ging Schlag auf Schlag. Spätestens nach dem Start von ASTRA 1C wurde der Receiver mindestens einmal pro Woche für einen Suchlauf benutzt. Die Informationen, die Frequenzen und die News entnahm man dem Sat1-Videotext – es gab noch kein Internet, das bitte nicht vergessen.


Und immer wieder fand ich sie, die Sender, die nur einen englischsprachigen Ton lieferten aber nur ein wirres Bild lieferten. Glück gehabt, die Schüssel war nicht verrutscht, der Receiver in einem einwandfreien Zustand und die Kabel auch nicht von einem Marder angefressen (der illegal unter dem Dach lebte). Sie waren verschlüsselt! Das Geheimnis wurde auch wieder durch eine Videotext-Recherche aufgedeckt.
Ein Engländer klärte mich auf und verglich diese Verschlüsselung mit unseren Kosten, welche halt anfallen, wenn man einen Kabelanschluss benutzt. Dafür würde man auf der Insel halt keine Kabel verlegen müssen und könne jeden Einwohner/Haushalt, auch wenn er noch so weit weg liegt, ansprechen – eigentlich bequemer. Weiter wurde mir verständlich gemacht, dass ohne eine Schlüsselkarte und einen Decoder, sich das Bild nicht erleuchten lässt – so wie wir Deutschen das von Premiere kennen.
Zu dieser Zeit war Premiere nur ein Programm. Ein Programm das Filme zeigte und Highlights wie den Super Bowl live übertrug.

Mit wachsendem Interesse beobachtete ich die Satellitenszene weiter. Diese Beobachtungen zeigten einen stetig anwachsenden Markt. Es wurden immer mehr verschlüsselte Sender aufgeschaltet und freie Programme verschlüsselt.
Als es den freien Sender SkyOne erwischte war ich richtig angepi**t! Mein (damals) heiß geliebter Sender, der die Simpsons, Raumschiff Enterpreis in allen Variationen und andere US-Serien zeigte war weg – bis auf den Ton.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über ein Modem (33.6er!!!) nahm ich Kotakt mit anderen (Gleichgesinnten) auf und erführ von einem Brettverwalter dass man nicht den Kopf in den Sand stecken muss. Man könne bei seinem Fernsehfachhändler ein Sky-Abo abschließen, müsse aber für ein Jahr alles im Voraus bezahlen plus einer Prämie für die Person in England die dann das Abo regulär abschließt und die Karte per Post nach Deutschland schickt. Alles in Allem rund DM 650,-.
Oder man besorgt sich eine Piratenkarte in einem Land, welche nicht berechtigt sind ein Abo dieses Betreibers zu bewerben und anzubieten. Deutschland und die Schweiz seien da genau richtig.

Eine ganze Zeit lang blieb SkyOne dunkel. Dann bekam ich eine Adresse aus der Schweiz und eine Telefonnummer. Mein Name sei bereits übermittelt worden und ich solle doch bitte Thomas ************* anrufen, da er am Wochenende wieder neue Platinen ätzt und mir dann eine mitätzen würde. Ich hatte keine Ahnung was ich dort für umgerechnet 70 Franken plus Porto bekommen sollte.
Nach einem freundlichen Telefonat schickte ich Bargeld per Post in die Berge und bekam eine Woche später eine selbstgebaute Platinenkarte die an einem sehr langen seriellen Kabel hing, eine Diskette mit einer Software und einer fotokopierten Anleitung. Diese zeigte mir wie ich meinen 486er-PC mit einem VideoCrypt-Decoder verbinde und die „Voyager-Software“ konfiguriere. Den Receiver hatte ich zwischenzeitlich bei meinem Fernsehhändler erstanden. Er war von Nokia und hatte einen eingebauten Kartenleser, da es hierzulande keinen externen Decoder gab.
Mit dieser Kombination hatte ich sehr lange ein helles Bild aller englischsprachigen BSkyB-Programme.
Sky wehrte sich gegen diese Schwarzseher natürlich mit gelegentlichen Schlüsselwechseln. Aber keine 24 Stunden später gab es eine neue Software in irgendeiner Modem-Mailbox.
Saugen, einstellen und Fernsehen gucken. Der einzige Nachteil war der immer mitlaufende Computer. Das lange Kabel führte in das Zimmer mit dem PC, der aktiv im MS-DOS-Modus mitlaufen musste. Es ist schon ein wenig nervig gewesen erst den Computer hochzufahren, die Software zu starten und dann voller Erwartung die selbstgebaute Karte in den Schlitz des Receivers zu stecken. Da man unter DOS keine zwei Anwendungen starten konnte und Windows95 gerade veröffentlicht wurde, es aber niemand wirklich empfehlen konnte (wie heute mit Vista) war der PC für nichts weiter zu gebrauchen. Entweder man benutze seinen Computer oder man sah (heimlich) britisches Fernsehen.

Da auch auf der Insel die Zahl der Schwarzseher anstieg, wehrte sich Sky mit der wohl tödlichsten Waffe. Da die ständigen Codewechsel mit neuer Piratensoftware immer und immer umgangen worden waren, tauschte die BSkyB-Gesellschaft in einer gigantischen Aktion die originalen Viewing Cards der Abonnenten gen neue Karten aus.Ab genau dieser Zeit hatte die SKY ihr Codierungssystem auf einen neuen Code umgewechselt. Alle ungültigen Karten fielen somit aus und der Bildschirm zeigte wieder nur das altbekannte und verschlüsselte Bild.

Alle Decoder- und Piratenkartenbesitzer in Deutschland mussten auf das Programm von Sky Movie und Sky One verzichten. Besonders die Star Trek- Fans, wie ich es mal einer war, wurden von diesen Änderungen betroffen. Kein Hacker schaffte es die neuen Karten zu knacken. Es ging zwar immer ein Gerücht um, aber jede gesaugte Software erfüllt ihren Zweck nicht oder nur bedingt. Bedingt hieß in diesem Falle, dass sich das eine oder andere Programm öffnen ließ, aber nicht zur Sky-Gruppe gehörte; wie z.B. der Adult Channel nach 22 Uhr.

Da sich sehr lange nichts änderte und es keine richtigen Aussagen gab, wann man wieder damit rechne konnte seine Karte mit dem PC zu verbinden, sagte ich Tschüss zur VideoCrypt-Technik und investierte in eine neue Schüssel. Diese konnte ASTRA und EUTELSAT HotBird gleichzeitig empfangen und schielte in den TV-Orbit.

Kleine Trostpflaster waren die RAI-Programme aus Italien. Diese übertrugen die Rennen der Formel 1 parallel zu RTL. Machten die Kölner Werbung, schaltete man auf RAI um und war live, mit Italokommentar, wieder an der Rennstrecke. Und überhaupt, ein Italiener der Michael Schuhmacher im Ferrari über die Zielgerade moderiert ist mit dem deutschen Kommentar nicht ansatzweise zu vergleichen.
Seit dieser Zeit liegt mein altes Equipment in einer Schachtel im Schrank und erinnert mich an eine Zeit, in der das analoge Satellitenfernsehen genauso interessant war die das heutige digitale Programm.

Heute, im Jahre 2008, findet man keinen einzigen Sender mehr am Himmel der sein Programm in VideoCrypt-Verschlüsselung ausstrahlt. Selbst die analogen Sender haben sich gesundgeschrumpft und das digitale Fernsehen beherrscht den Himmel und den Markt.
Wo man vor vierzehn Jahren noch nach England blickte und sich diese Programmvielfalt auch in Deutschland wünschte, wird man heute geradezu erschlagen von den vielen Angeboten Pay-TV zu abonnieren. DF1 ging ein wie eine ungegossene Topfpflanze und Premiere World ist in Deutschland der Marktführer im Bereich werbefreies Bezahlfernsehen geworden.

 

 
Wenn Ihr wisst was man heute noch mit einer solchen antiquierten Piratenkate machen kann, außer sie wieder in den Schrank zurückzulegen, dann meldet Euch bitte bei mir.
Bei einem positiven Ergebnis eines „Historischen-Experimentes“ erweitere ich gerne diesen Blog nach Euren Wünschen und Vorschlägen.
Denn, zu irgendeinem Zweck wird man diese Platinenkarte aus der Schweiz doch noch verwenden können – oder?

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