Seit dem es verschlüsseltes Pay-TV (Bezahlfernsehen)
gibt, gibt es auch Menschen die sich damit beschäftigen es auf
Umwegen, sprich ohne ein Abo des Besitzers erstanden zu haben, zu
empfangen und auch zu schauen.
Als ich im Jahre 1991 meine erste Satellitenantenne, für vier
Teilnehmer, installierte und auf den Satteliten ASTRA ausrichtete,
wusste ich noch nichts vom Empfang verschlüsselter
Fernsehprogramme.
Im Gegenteil, das schauen von Programmen via Sattelitenreceiver war
ein grandioser Erfolg für mich, denn vor dieser
„Unabhängigkeitserklärung“ und dem
alternativen Kabelfernsehen gegenüber, welches nicht in meiner
Straße verlegt war, gab es nur eine handvoll analoger
terrestrischer Sender mit einer Dachantenne zu gucken. Wer denkt da
schon an den Empfang von Pay-TV, wenn Sender wie VOX, Pro7 und MTV
plötzlich alltäglich werden?
Es ging Schlag auf Schlag. Spätestens nach dem Start von ASTRA
1C wurde der Receiver mindestens einmal pro Woche für einen
Suchlauf benutzt. Die Informationen, die Frequenzen und die News
entnahm man dem Sat1-Videotext – es gab noch kein Internet,
das bitte nicht vergessen.
Und immer wieder fand ich sie, die Sender,
die nur einen englischsprachigen Ton lieferten aber nur ein wirres
Bild lieferten. Glück gehabt, die Schüssel war nicht
verrutscht, der Receiver in einem einwandfreien Zustand und die
Kabel auch nicht von einem Marder angefressen (der illegal unter
dem Dach lebte). Sie waren verschlüsselt! Das Geheimnis wurde
auch wieder durch eine Videotext-Recherche aufgedeckt.
Ein Engländer klärte mich auf und verglich diese
Verschlüsselung mit unseren Kosten, welche halt anfallen, wenn
man einen Kabelanschluss benutzt. Dafür würde man auf der
Insel halt keine Kabel verlegen müssen und könne jeden
Einwohner/Haushalt, auch wenn er noch so weit weg liegt, ansprechen
– eigentlich bequemer. Weiter wurde mir verständlich
gemacht, dass ohne eine Schlüsselkarte und einen Decoder, sich
das Bild nicht erleuchten lässt – so wie wir Deutschen
das von Premiere kennen.
Zu dieser Zeit war Premiere nur ein Programm. Ein Programm das
Filme zeigte und Highlights wie den Super Bowl live
übertrug.
Mit wachsendem Interesse beobachtete ich die Satellitenszene
weiter. Diese Beobachtungen zeigten einen stetig anwachsenden
Markt. Es wurden immer mehr verschlüsselte Sender
aufgeschaltet und freie Programme verschlüsselt.
Als es den freien Sender SkyOne erwischte war ich richtig
angepi**t! Mein (damals) heiß geliebter Sender, der die
Simpsons, Raumschiff Enterpreis in allen Variationen und andere
US-Serien zeigte war weg – bis auf den Ton.

Über ein Modem (33.6er!!!) nahm ich Kotakt mit anderen
(Gleichgesinnten) auf und erführ von einem Brettverwalter dass
man nicht den Kopf in den Sand stecken muss. Man könne bei
seinem Fernsehfachhändler ein Sky-Abo abschließen,
müsse aber für ein Jahr alles im Voraus bezahlen plus
einer Prämie für die Person in England die dann das Abo
regulär abschließt und die Karte per Post nach
Deutschland schickt. Alles in Allem rund DM 650,-.
Oder man besorgt sich eine Piratenkarte in einem Land, welche nicht
berechtigt sind ein Abo dieses Betreibers zu bewerben und
anzubieten. Deutschland und die Schweiz seien da genau
richtig.
Eine ganze Zeit lang blieb SkyOne dunkel.
Dann bekam ich eine Adresse aus der Schweiz und eine Telefonnummer.
Mein Name sei bereits übermittelt worden und ich solle doch
bitte Thomas ************* anrufen, da er am Wochenende wieder neue
Platinen ätzt und mir dann eine mitätzen würde. Ich
hatte keine Ahnung was ich dort für umgerechnet 70 Franken
plus Porto bekommen sollte.
Nach einem freundlichen Telefonat schickte ich Bargeld per Post in
die Berge und bekam eine Woche später eine selbstgebaute
Platinenkarte die an einem sehr langen seriellen Kabel hing, eine
Diskette mit einer Software und einer fotokopierten Anleitung.
Diese zeigte mir wie ich meinen 486er-PC mit einem
VideoCrypt-Decoder verbinde und die „Voyager-Software“
konfiguriere. Den Receiver hatte ich zwischenzeitlich bei meinem
Fernsehhändler erstanden. Er war von Nokia und hatte einen
eingebauten Kartenleser, da es hierzulande keinen externen Decoder
gab.
Mit dieser Kombination hatte ich sehr lange
ein helles Bild aller englischsprachigen BSkyB-Programme.
Sky wehrte sich gegen diese Schwarzseher natürlich mit
gelegentlichen Schlüsselwechseln. Aber keine 24 Stunden
später gab es eine neue Software in irgendeiner
Modem-Mailbox.
Saugen, einstellen und Fernsehen gucken. Der einzige Nachteil war
der immer mitlaufende Computer. Das lange Kabel führte in das
Zimmer mit dem PC, der aktiv im MS-DOS-Modus mitlaufen musste. Es
ist schon ein wenig nervig gewesen erst den Computer hochzufahren,
die Software zu starten und dann voller Erwartung die selbstgebaute
Karte in den Schlitz des Receivers zu stecken. Da man unter DOS
keine zwei Anwendungen starten konnte und Windows95 gerade
veröffentlicht wurde, es aber niemand wirklich empfehlen
konnte (wie heute mit Vista) war der PC für nichts weiter zu
gebrauchen. Entweder man benutze seinen Computer oder man sah
(heimlich) britisches Fernsehen.
Da auch auf der Insel die Zahl der
Schwarzseher anstieg, wehrte sich Sky mit der wohl tödlichsten
Waffe. Da die ständigen Codewechsel mit neuer Piratensoftware
immer und immer umgangen worden waren, tauschte die
BSkyB-Gesellschaft in einer gigantischen Aktion die originalen
Viewing Cards der Abonnenten gen neue Karten aus.Ab genau dieser
Zeit hatte die SKY ihr Codierungssystem auf einen neuen Code
umgewechselt. Alle ungültigen Karten fielen somit aus und der
Bildschirm zeigte wieder nur das altbekannte und
verschlüsselte Bild.
Alle Decoder- und Piratenkartenbesitzer in Deutschland mussten auf
das
Programm von Sky Movie und Sky One
verzichten. Besonders die Star Trek- Fans, wie ich es mal einer
war, wurden von diesen Änderungen betroffen. Kein Hacker
schaffte es die neuen Karten zu knacken. Es ging zwar immer ein
Gerücht um, aber jede gesaugte Software erfüllt ihren
Zweck nicht oder nur bedingt. Bedingt hieß in diesem Falle,
dass sich das eine oder andere Programm öffnen ließ,
aber nicht zur Sky-Gruppe gehörte; wie z.B. der Adult Channel
nach 22 Uhr.
Da sich sehr lange nichts änderte und es keine richtigen
Aussagen gab, wann man wieder damit rechne konnte seine Karte mit
dem PC zu verbinden, sagte
ich Tschüss zur VideoCrypt-Technik und
investierte in eine neue Schüssel. Diese konnte ASTRA und
EUTELSAT HotBird gleichzeitig empfangen und schielte in den
TV-Orbit.
Kleine Trostpflaster waren die RAI-Programme aus Italien. Diese
übertrugen die Rennen der Formel 1 parallel zu RTL. Machten
die Kölner Werbung, schaltete man auf RAI um und war live, mit
Italokommentar, wieder an der Rennstrecke. Und überhaupt, ein
Italiener der Michael Schuhmacher im Ferrari über die
Zielgerade moderiert ist mit dem deutschen Kommentar nicht
ansatzweise zu vergleichen.
Seit dieser Zeit liegt mein altes Equipment in einer Schachtel im
Schrank und erinnert mich an eine Zeit, in der das analoge
Satellitenfernsehen genauso interessant war die das heutige
digitale Programm.
Heute, im Jahre 2008, findet man keinen einzigen Sender mehr am
Himmel der sein Programm in VideoCrypt-Verschlüsselung
ausstrahlt. Selbst die analogen Sender haben sich gesundgeschrumpft
und das digitale Fernsehen beherrscht den Himmel und den
Markt.
Wo man vor vierzehn Jahren noch nach England blickte und sich diese
Programmvielfalt auch in Deutschland wünschte, wird man heute
geradezu erschlagen von den vielen Angeboten Pay-TV zu abonnieren.
DF1 ging ein wie eine ungegossene Topfpflanze und Premiere World
ist in Deutschland der Marktführer im Bereich werbefreies
Bezahlfernsehen geworden.

Wenn Ihr wisst was man heute noch mit einer solchen
antiquierten Piratenkate machen kann, außer sie wieder in den
Schrank zurückzulegen, dann meldet Euch bitte bei mir.
Bei einem positiven Ergebnis eines
„Historischen-Experimentes“ erweitere ich gerne diesen
Blog nach Euren Wünschen und Vorschlägen.
Denn, zu irgendeinem Zweck wird man diese Platinenkarte aus der
Schweiz doch noch verwenden können – oder?